Am Abend liegt der Tag hinter der Familie, und oft bleibt wenig Zeit, ihn noch einmal anzusehen. Ein kleines Tagebuch kann das ändern. Das Kind malt oder schreibt jeden Abend etwas in ein Heft, das ihm allein gehört. Es muss nicht viel sein: eine Zeichnung, ein Wort, ein Satz. Wichtig ist, dass es ein ruhiger Moment ist, in dem der Tag noch einmal Platz hat, bevor das Licht ausgeht.
Nimm ein einfaches Heft mit leeren Seiten und einen Stift, der gut in der Hand liegt. Lasst das Kind das Heft selbst gestalten, mit einem Deckelbild, Aufklebern oder einem eigenen Titel. Es kann am Tisch, im Bett oder auf dem Sofa geschrieben werden. Ein fester Platz für das Heft, etwa neben dem Bett, hilft, damit es nicht verloren geht und am nächsten Abend gleich wieder zur Hand ist.
Was hineinkommt
Manche Kinder zeichnen den schönsten Moment des Tages, andere kleben eine Blume, eine Eintrittskarte oder ein Stück Stoff ein. Wer schon schreiben kann, notiert ein paar Sätze. Jüngere Kinder erzählen, und ein Erwachsener schreibt mit. Du kannst fragen: Was war heute lustig? Was möchtest du nicht vergessen? Es gibt keine falschen Antworten, und niemand muss etwas Besonderes erlebt haben, damit es sich lohnt.
Das Tagebuch gehört dem Kind. Ihr Erwachsenen lest nur, wenn es euch das Heft von sich aus zeigt. Diese Regel ist wichtig, damit das Kind ehrlich zeichnen und schreiben kann. Wenn es gern etwas erzählt, hört zu, ohne zu bewerten oder zu verbessern. Rechtschreibung und Zeichenkunst spielen keine Rolle, denn es geht um den Abend und nicht um eine Schulaufgabe.
Ab und zu kann man in alten Einträgen blättern, etwa an einem Regentag oder zu Beginn eines neuen Heftes. Das Kind sieht, wie viel schon passiert ist, und lacht über frühere Zeichnungen. Manche Familien bewahren die vollen Hefte in einer Kiste auf. Später sind sie ein Schatz, den man gemeinsam aufschlagen kann. An Abenden ohne Lust darf das Heft geschlossen bleiben, denn morgen ist ein neuer Tag.