Unter der Woche essen viele Familien das Morgenessen nacheinander und im Stehen. Jeder hat einen anderen Termin, und der Tisch bleibt leer. Ein einziger Werktag pro Woche, an dem alle gemeinsam am Tisch sitzen, kann daran etwas ändern. Es muss kein grosses Ereignis sein. Es reicht, dass alle am selben Tisch sitzen, essen und einander sehen, bevor der Tag beginnt und jeder wieder seines Weges geht.
Wähle einen Tag, der in den Wochenplan passt, zum Beispiel den Mittwoch. Sprich mit der Familie darüber, und lass die Kinder mitentscheiden, wie der Tisch aussehen soll. Am Abend vorher wird gedeckt, damit am Morgen wenig zu tun bleibt. Brot, Butter, Konfitüre, Birchermüesli und ein Krug mit Milch oder Tee sind schnell bereit und brauchen keine lange Zubereitung.
Ein Morgen mit wenig Aufwand
Jeder bekommt eine kleine Aufgabe. Ein Kind stellt die Tassen hin, ein anderes bringt das Brot, ein Erwachsener kocht Tee oder Kakao. Weil alle helfen, ist der Tisch schnell gedeckt. Die Telefone bleiben im Flur, und der Fernseher bleibt aus. Für einmal darf der Morgen etwas langsamer beginnen, und dazu gehört, dass man sich Zeit lässt, ohne ständig auf die Uhr zu starren.
Am Tisch darf gesprochen werden, muss aber nicht. Manche Familien fragen reihum, worauf man sich heute freut oder was einem am Tag wichtig ist. Andere essen und schweigen freundlich. Kinder brauchen keine Vorträge über Ernährung oder Pünktlichkeit, sie brauchen einen Tisch, an dem sie sich willkommen fühlen. Das Wichtigste ist die Gemeinschaft, nicht das Menü.
Wenn es an einem Morgen wirklich nicht klappt, wird das Morgenessen auf einen anderen Tag verschoben oder verkürzt. Auch eine Tasse und ein Stück Brot am gemeinsamen Tisch zählen. Mit der Zeit freuen sich alle auf diesen einen Morgen, und er wird zu einem Fixpunkt in der Woche, an den man sich gern erinnert. Am Wochenende gelten dann wieder andere Gewohnheiten, aber die Werktagsrunde bleibt bestehen.